Veröffentlicht am Do., 24. Dez. 2020 00:00 Uhr

Rebellion unterm Weihnachtsbaum

Es muss 1989 gewesen sein, ohnehin ein bewegtes Jahr und ich war Konfirmand. Meine Eltern sind in dem Jahr auch noch umgezogen, neue Schule und es fiel mir nicht leicht in der Kleinstadt anzukommen. Wie die viele Konfirmanden auch heute noch, bekam ich zu Beginn der Konfirmandenzeit eine Gottesdienstbesuchskarte, auf der eine bestimmte Menge Unterschiften sein mussten, bis zur Konfirmation. Also stiefelte ich fleißig fast jeden Sonntag in die Kirche, manchmal traf ich auf andere Konfirmanden, aber oft saß ich alleine in der Kirchenbank.

Dann kam Heiligabend und nun war es natürlich für viele selbstverständlich an diesem besonderen Tag in die Kirche zu gehen. Aber nicht für mich. Ich war sauer auf all diejenigen, die das ganze Jahr nie gingen aber jetzt die Kirche füllten. Aus Protest weigerte ich mich, schrieb meinen Eltern einen Brief mit meinen Argumenten und heftete ihn von außen an meine geschlossene Zimmertür. Alles bitten und meckern half nichts und so gingen sie ohne mich zur Kirche.

Das Problem dabei war, dass ich nun allein zuhause saß und auch noch die Stimmung ein Stück weit verdorben hatte. Ich fühlte mich zwar im Recht, hatte aber übersehen, dass diejenigen die an Heiligabend die Kirche füllten, mir nichts wegnahmen. Meine Aktion würde auch niemanden überzeugen öfter in die Kirche zu gehen.

Dafür hatte ich meinen Eltern, und letztendlich auch mir, eine alte Familientradition torpediert. Es hat noch einige weitere Erfahrungen gebraucht, bis ich trotz meines jugendlichen Gerechtigkeitsbedürfnisses gelernt habe, dass es wichtig ist auch die anderen mit ihren Bedürfnissen im Blick zu haben – nicht nur an Weihnachten. 


EUCH ALLEN EIN GESEGNETES WEIHNACHTSFEST!

Kategorien Adventskalender

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